Und täglich grüßt der Krause

Täglich wird, wie heute, unsere Meinung von Hundetrainern bestätigt, dass die Mehrzahl der Hundetrainer einfach unfähig ist. Bis auf zwei Hundetrainer, die ich kenne. Darunter mein Hundetrainer Bernd.

Viele meiner Leser und Fans denken zwischenzeitlich vielleicht, dass unsere Erlebnisse frei erfunden sind. Leider nein, alles live und in Farbe erlebt.

Wir spazieren, wie jeden Tag, durch den Wald/Energiewald. Dies nicht angeleint, weil wir es können. Herrchen heute mal vorweg, da ich mir Zeit lasse, um mit meinem Näschen eine Fährte zu erschnüffeln.

Wenn der Alte abrupt stehen bleibt, weiß ich, dass da was im Busch ist. So ist es auch. Ich höre nur „Fuß“, schlendere also mal ganz entspannt zu seiner linken Seite mit einem fragenden Blick. Es kommt die Order „Sitz“, ich mache Sitz. Der Karabiner der Leine klickt gerade ein und schon sehe ich das Unheil auf uns zukommen.

Eine Horde von ca. sieben unterschiedlichen Hunden meines Kalibers verteilt sich vor uns im Busch in einem Umkreis von 50 Metern. Kein Herrchen oder Frauchen in Sicht. Wir bleiben stehen, um die Situation zu erfassen. Das streunende Rudel hat uns spätestens jetzt auch wahrgenommen. Jeder meiner Kollegen bleibt stehen und fixiert mich an. Immer noch kein Mensch zu sehen! Herrchen ruft in den Wald „Hallo“. Keine Antwort. Langsam gehen wir weiter. Drei aus diesem Rudel kommen langsam auf uns zu. Fight-or-flight? Mit dem Alten geht es nur nach vorne – Mist, da muss ich jetzt wohl durch.

Kleiner Kurs in die Physiologie. In der Fight-or-flight-Situation veranlasst unser Gehirn, bitte Adrenalin frei zu geben. Diese Reaktion liefert die Energie für überlebenssicherndes Verhalten, das einer Stresssituation angemessen ist: Kampf oder Flucht. Naja bei der Situation braucht es kein Adrenalin, eher den Wirkstoff „Ruhe bewahren“.

„Kampf“ ist angesagt. Also bewegen wir uns langsam nach vorne. Einer der drei Rüden kommt langsam auf uns zu und fixiert mich an. Aus dem Sitz komme ich auf eine stehende Körperspannung. Herrchens Stimme ertönt: „Ganz ruhig, Mick“.

Der unbekannte Rüde nähert sich unaufhaltsam auf ca. 10 cm und stellt sich mir frontal gegenüber. Die Luft zwischen uns ist ziemlich explosiv. Zwischenzeitlich tauchen zwei Frauen auf. Herrchen fragt: „Tierschutz oder Hundetrainer?“, Antwort: „Letzteres“! Herrchen: “Dachte ich mir!“ und denkt sich „Weiblicher Krause wieder im Wald unterwegs“.

In der Zwischenzeit denke ich: Herrchen, das geht hier gleich nicht gut aus! Hecktisch trillert Frau Krause auf ihrer Pfeife rum. Nur ihre Vierbeiner scheint dies überhaupt nicht zu interessieren. Anscheinend hat Frau Krause immer noch nicht die Situation erkannt. Der eine Rüde steht angriffslustig direkt vor uns. Zwei Rüden kommen nicht ganz freundlich aber langsam näher und der Rest fixiert uns an. Man könnte auch sagen: nicht unbedingt lustig diese Situation.

Herrchen überlegt, Leine los oder doch lieber an der Leine lassen? Bei einem möglichen Angriff des Rudels würden wir ggf. das Nachsehen haben. Also weiter an der Leine, positioniert sich Herrchen mit einem Schubser gegen den Rüden zwischen uns.

Trotzdem dürfen mir kurz die Haare zu Berge stehen und ein leichtes Brummeln kann ich nicht unterdrücken. Herrchen: „Mick, ganz ruhig“! Ich bleibe ruhig aber nun steigt mein Adrenalinpegel langsam an.

Frau Krause immer noch trillernd und stolpernd mit der Pfeife durch den Wald, wartet auf eine Reaktion ihrer Fellnasen. Die denken gar nicht daran, dem Rückruf nachzugehen. Wir ziehen zielstrebig vorbei und erkennen, dass es sich um Frau Krause mit einer weiblichen Kundin handelt. Herrchen kommentiert dies als: „Ein Lehrmoment, wie es nicht gehen sollte“. Frau Krause wortlos. Was soll Sie dazu auch sagen, aber sehr böse schaut sie uns trotzdem an. Ist Sie jetzt böse auf uns? Auf ihre Hunde, die den Abruf nicht verstehen? Oder böse über ihre eigene Unfähigkeit?

Wir gehen weiter und „ignorieren“ einfach das Rudel. Puh, dies hätte auch anders ausgehen können und sicherlich hätten wir hier deutlich den Kürzeren dabei gezogen.

Herrchen lobt und streichelt mich wie Dolle. Wofür? Ach so, bestimmt, weil ich mich in dieser Situation sehr souverän verhalten habe und mein Herrchen es für mich geregelt hat. Auf den Alten ist halt Verlass!