Buchbeitrag Dr. Sommer

INTERAKTIVES WARNSYSTEM

African Amber Akono Mick
Ein Ridgeback erobert die Welt…
Hier der neue angekündigte Beitrag, wie ich als
INTERAKTIVES WARNSYSTEM agiere. Picture made by Petra Flemming

INTERAKTIVES WARNSYSTEM
Herrchen und ich fahren zu einer Automobilgruppe, um einer Rückrufaktion nachzukommen. Auf dem Betriebsgelände angekommen stellen wir fest, dass keine Parkplätze frei sind. Hier parkt zwischenzeitlich jeder wie er will. Wir aber nicht, also suchen wir uns einen vermeintlich, denkt sich mein Alter, Parkplatz, auf dem wir unmittelbar keinen einschränken. Wir bewegen uns also in die Parkposition, für mich ist es das Signal, langsam aus dem Schlafmodus hoch zu kommen, mich nach vorn zu strecken, nach hinten zu strecken und den Alten ausgiebig „anzugähnen“. Hey Alter, du nimmst mich gefälligst mit, lasse ich es ihn in anstubsender Weise in seinen Nacken wissen. Es ertönt mein Lieblingsspruch „Mick du bleibst und schön auf dein Auto aufpassen“. Ich lecke ihm durchs Gesicht, um den Alten wissen zu lassen, dass ich meinen Job sehr ernst nehme und lasse meine 45kg wieder ungebremst auf die Rücksitzbank krachen – das kann ich echt gut. Das Auto wackelt. Mein Herrchen wackelt auch – in Richtung Servicecenter. Uppps, er hat mal wieder alle Fenster unten und das Auto aufgelassen…Mensch Mensch, bis mal die Langfinger hier rein greifen und sich bedienen.

Nach einer Weile bemerke ich Rangiergeräusche und hebe etwas schwerfällig meine Nase und den Kopf nach oben, muss ja wissen, was da los ist. Eine Frau versucht mit Anhänger um uns herum zu rangieren und nach wenigen Minuten stehen Anhänger, Zugfahrzeug und die Frau total verpeilt herum. War nicht anders zu erwarten – „Frau am Steuer“ würde der Alte jetzt witzeln. Zwischenzeitlich hat sich ein Kompetenz-Team aus mehreren Personen versammelt. Das Team kommt zu dem Ergebnis, mein Auto müsste kurz etwas nach vorne gefahren werden. Ich, immer noch relaxt und träumend auf der Sitzbank liegend, dass wir gleich wieder auf dem Weg ins Outback sind. Wölfe jagen – nein – quatsch. Wir warten jetzt auf Onkels Ralfs Spruch, er kommt aus Düsseldorf – ist nicht schlimm Ralf. Wir können Ralf echt sehr gut leiden. Seine Frau auch!

Jetzt kombiniert das Service-Kompetenz-Team wie folgt: das Auto steht vor dem Service. Fenster unten also war das Auto in der Werkstatt, ist hier nur kurz abgestellt, ich kann das mal eben nach vorne fahren. Gut kombiniert – wird aber eine Überraschung werden.

Was ich aber nicht wusste…. Zwischenzeitlich hat man Herrchen gefragt, ob ein Mitarbeiter das Fahrzeug nach vorne setzen dürfte. Alter kombiniert und kommentiert: „Äh, das würde ich nicht empfehlen, da liegt ein nicht kleiner Hund auf der Rücksitzbank und der heißt Spartakus.“ Der Mitarbeiter, der die Frage gestellt hat, dreht sich hektisch um und hechtet in Richtung Fahrzeug, Herrchen hinterher. Dem anderen Service-Kompetenz-Mitarbeiter dauert dies wohl alles zu lang und ergreift selbst die Initiative, immerhin ist das Auto ja auf und Schlüssel steckt auch. Vom Grundsatz her sehr löblich allerdings von der Durchführung her etwas schwierig. Aber das wird er ja noch merken.

Ich bemerke also parallel, dass sich um mein Auto irgendetwas tut, ich liege zwar immer noch auf der Rückbank aber meine Sinne sind schon jetzt auf 100% eingestellt.

Jetzt läuft es ab, wie bei der versteckten Kamera.
Aus dem Serviceeingang stürmen zwei alte Männer, der Mitarbeiter der Herrchen wegen dem Auto gefragt hat und Herrchen knapp hinten dran. Der andere ambitionierte Mitarbeiter bewegt sich zwischenzeitlich in Richtung meines Autos. Er weiß noch nicht, dass ich nur darauf warte, dass er den Versuch startet an mein Auto heran zu kommen. Der ambitionierte Mitarbeiter bemerkt, wie sein Kollege und mein Herrchen außer Atem stürmend auf ihn zukommen. Er immer noch in der Vorwärtsbewegung auf unser Auto gehend. Ich höre Herrchen rufen „Das würde ich jetzt nicht tun!“ Ambitionierter Mitarbeiter schaut verstört, versteht die Welt und das stürmende Duo nicht. Er also weiter in Richtung auf mein Auto zu und streckt die Hand Richtung Fahrertüre. Meine Haare gehen etwas in Richtung Horizont und alle meine Sinne stehen nun auf Schutzmodus und ich bin zum Sprung bereit. Ambitionierter Mitarbeiter greift also an die Türklinge – nicht gut. Pfeilschnell stehen wir uns nur wenige Zentimeter gegenüber. Ausdrucksvoll gebe ich zu verstehen, dass alles Weitere für ihn sehr interessant werden könnte. Zeige ihm also meine perlweißen Zähnlein und aus dem tiefsten Innern meiner prallen Brust ertönt ein leichtes V8-Geräusch mit einer Brise von Odol-Mundwasser Geruch.

Der nun nicht mehr ambitionierte Mitarbeiter verliert in diesem Moment gerade vollkommen seine Farbe im Gesicht, gerät aber nicht in Schockstarre sondern ergreift rückwärtsfallend die Flucht und fällt halbwegs über die Motorhaube des hinter ihm parkenden Fahrzeuges. Ich schaue ihm nur hinterher und denke so: Na, Pippi in der Hose? Zwischenzeitlich steht auch Herrchen bei mir, der nach dem Spurt erstmal Luft holen muss (Alter, das müssen wir ändern…). Das umliegende Kompetenzteam befindet sich nun ebenfalls in der Rückwärtsbewegung. Herrschen schaut ins Auto, tätschelt mich und ich höre „Hast du gut gemacht“, ich lecke dem Alten durch sein Gesicht und lasse mich wieder auf die Rücksitzbank fallen. Das Auto wackelt. Ich bemerke, wie in meinem Umfeld respektvolle Ruhe einkehrt und ich widme mich weiter meinen Träumen.

Mal sehen, was ich noch so alles erlebe…immerhin gibt es in dieser Werkstatt noch einen Zweittermin. Service-Kompetenz-Team I FREU MI!!!